Eine Kritik des Monotheismus von Laertius.D (Teil 2)

Hier die Fortsetzung des Beitrags: 

„Wir glauben. Einfach, weil solche Geschichten vom sprechenden und feuerspeienden Gott mit Rauschebart, oder von der Spaltung des Meeres, oder von dem Feuerbusch, der nicht verbrennt, oder von dem Zwerg, der einen Riesen mit einem einzigen Stein niederstreckt, oder von dem Mann, der übers Wasser wandelt und Tausende mit einer handvoll Fischen sättigt, unseren kleinen, persönlichen, müden, ausgemergelten Geist mit unsagbarer Kraft, Synergie, erfüllt. Die Vorstellung, ein kleiner Teil einer allumfassenden, allmächtigen Macht zu sein, nicht allein in der Welt zu stehen und einen gewaltig großen Bruder zum Freund zu haben, weckt und stärkt unseren Lebens- und Durchhaltewillen, heute wie vor 3000 Jahren. Und formt und identifiziert unser Gefühl – oder soll ich sagen Instinkt – für Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Kurz: Wir fühlen uns stärker und besser, als wir einzeln tatsächlich sind, wenn wir nur richtig glauben. Dieses Gefühl ist die Grundlage für den historischen Erfolg der monotheistischen Religionen.
Monotheisten wollen glauben. Denn sie wären auch gerne jemand, der Berge versetzen, Meere teilen oder übers Wasser gehen kann, ohne unterzugehen. Sie wollen die Welt, in der sie leben, nicht verstehen, nicht einmal als gegeben hinnehmen, in ihren Augen ist die Welt eine Schöpfung, extra für sie gemacht. Weswegen sie glauben, sich untertan machen zu dürfen, was sie ernährt. Sie wollen mit Hilfe einer eingebildeten, für wahr erklärten, überpersönlichen, außernatürlichen Allmacht jegliches Leben beherrschen, und sie wollen, dass ‚ihre‘ Allmacht die der ‚anderen‘ Allmachtsverbündeten besiegt.
Moses und seine Nachfahren versuchten dies mit der Methode Auge um Auge, Zahn um Zahn. Der Nazarener Jesus wendete die viel subtilere Strategie der Defensive an, des geduldigen Aushaltens und Ausharrens. Mohammed setzte auf aggressives Vorgehen und versprach demjenigen, der sich opfert, ein buntes Paradies. So weit die Überlieferung.
Keiner lehrte uns Klugheit. Keiner schaffte Wissen. Keiner sah Denken als ein Handwerk an. Keiner übt unseren Verstand. Wir sollen glauben. Und mit entseeltem Lächeln in den Tod, d. h. ins Jenseits gehen, das extra für uns ‚erschaffen‘ wurde. Nichts weiter. Dann wird alles gut. Schon?
Wenn du, lieber TServatius, dich unter diesen, von denen ich sprach, nicht wiederfindest, wenn du sagst, das sind nicht meine Leute, das sind Frommtuer, Heuchler und Fanatiker, dann liegt das womöglich daran, dass dir ein Platon, ein Kant, ein Humboldt oder Einstein Philosophie, Vernunft, Nüchternheit und Logik lehrte.
Die Frage ist, ob deine Philosophie, Vernunft, Nüchternheit und Logik ausreicht, um gegen die Mythen, Märchen und Dogmen der Glaubensgemeinschaften zu bestehen. Denn kein Wissenschaftler war je von der Absicht geleitet, einen Menschen von seinen Erkenntnissen zu überzeugen, geschweige denn zu missionieren. Wissenschaft arbeitet und wirkt im Stillen, ihr Objekt ist die Tatsache, und das ist fade im Vergleich zu den Methoden der Glaubensschaffer. Diese suchten zu allen Zeiten und in allen monotheistischen Religionen mit ausgefeilten propagandistischen Mitteln die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Das Fernsehen und die Neuen Medien sind längst zu ihren Instrumenten geworden, die sie in Ergänzung der althergebrachten, wie Gottesdienste, Bibelstunden oder Koranrezitationen, virtuos zu spielen wissen. Doch nie waren Tatsachen die Objekte ihres Wirkens, sondern wir Menschen. Glaubensschaffer fangen Menschen, darum ‚arbeiten‘ sie emotional. Sie wirken leise, tränendrüsig, pompös und moralisch, oder laut und verängstigend, sie spielen in muffigen Gewändern herzerfrischende Stücke, alte Stücke, immer die gleichen, jene, die wir seit Kindesbeinen kennen, in denen wir uns gut zurecht finden und deren Sinngehalt wir irgendwann einmal für bare Münze halten. Dazu verwenden sie den Klang ihrer Glocken oder den mächtigen Finger eines Minaretts, sie wettern von der hohen Kanzel oder über den Gebetsteppich hinweg, ja selbst ein römisches Krankenhausfenster dient ihnen für ihre Werbezwecke.

Immer herablassend zeigen sie uns, wie schlecht wir sind, und dass ihr Glaube, ihre Wahrheit, das einzige ist, was uns noch helfen kann. Zu allem Überdruss segnen sie uns zum Abschluss der Sendung, als wären sie ein Segen für die Menschheit. Und jeden Samstagabend ein Wort zum Sonntag, damit wir sie nicht vergessen. Das ist nicht das Mittelalter, oder? Es sind Bilder der Gegenwart. Imame, Popen, Priester, Päpste, Gemeindepfarrer – rhetorisch und methodisch sind sie sehr gut gewappnet. Sie suchen uns auf, bevor wir unser erstes Wort sprechen, ja bevor wir überhaupt auf die Welt kommen. Und kaum sind wir das, verführen sie mit salbungsvoller Güte. Sie ‚offenbaren‘ uns die wunderbaren, kindgerechten Bilder der Geheimnisse ihres Glaubens, die allerdings immer Geheimnisse bleiben, denn sie können uns weder beweisen, dass es ihren Gott oder Allah oder Jahwe tatsächlich gibt, noch können sie erklären, was kluges Handeln ist und warum dieses besser ist, als unüberlegtes. Sie würden uns auch nie aus ihrem Einfluss entlassen, wenn nicht wir, wir, trotz ihrer prägenden Einflussnahme frei zu Denken lernten. Ob sie sich noch immer an dem satt fressen wollen, das wir erwirtschaften? Zahlst du Kirchensteuer? Ob sie nur einfach Recht behalten wollen, wie ein stures Kind, das behauptet, es gibt keinen größeren Vogel als den Raben – obwohl es Adler, Geier und Kondore im Zoo gesehen hat? Wozu wollen sie uns ihr Heil bringen? Sind Glaubensschaffer Altruisten, die nichts mehr lieben, als alles herzugeben, was sie haben? Wie konnten sie dann so reich werden? Reich an Pfründen, nicht an Güte. Ach! Der Glaube ist ein Geschäft? Und zwar das größte, das diese Welt je gesehen hat. Ja? Ist das so? Der Vatikan besitzt mehr Ländereien und einträchtige Immobilien und mehr gutgläubige Seelen, die sie – altruistisch – finanzieren, als jede andere Firma auf der Welt? Tja, das ist gut möglich.
Menschlichkeit und Moral bedürfen nicht eines religiösen Dogmas.
Im Gegenteil. Dogmen, und zwar Dogmen jeder Art, führen zu Zank, Arroganz, Intoleranz, Totschlag, Krieg und Völkermord. Zeigt das nicht die Menschheitsgeschichte? Oh, Moment! Da gibt es ein hübsch-hässliches Problem: Wer kennt sie denn, die Geschichte? Die Bilder, die uns die Glaubensschaffer seit vielen hundert Jahren in die Köpfe setzen, stimmen ja nicht. Erst in jüngerer Zeit brachen sich Neugier und Wissensdurst ihre Bahnen und die Geschichtswissenschaften – nicht der Heilige Stuhl – entwickelten Mittel und Wege, die Vergangenheit zu entschleiern. Die Entwicklung der Menschheit wurde anhand von Fakten deutlich, und, merkwürdig, die Bibel hat zwar Recht, aber nicht so, wie darin geschrieben steht, und schon gar nicht so, wie ihre Ausleger, die Propagandisten, es für richtig hielten – doch das nur am Rande.
Menschlichkeit bedarf des Wissens, was wir Menschen sind, persönlich, sozial, global. Und dazu müsste eigentlich kein weiteres Wort verloren werden, wenn es nie einen Jesus oder Mohammed und deren Epigonen gegeben hätte. Die Menschheit hätte mühelos an den profunden Erkenntnissen der klassischen Antike anknüpfen können, deren Menschenbild wesentlich moderner, ehrlicher, zutreffender und auch lebensfreier war, als noch das der heutigen Monotheisten. Ich möchte hier nicht wieder Plato vorhalten, denn das würde den Rahmen nun wirklich sprengen. Doch es soll erwähnt sein – und jeder mag es nachprüfen -, dass Plato in seinen Sokratesschriften 400 Jahre vor Christus eine Philosophie offenbart, deren Grundlagen und Konsequenzen die Lehren des Nazareners, soweit diese bekannt sind, nicht nur vorwegnehmen, sondern als blass und verschleiert erscheinen lassen. Ich möchte auch betonen, dass nicht Jesus der Erfinder der Nächstenliebe war, und darauf hinweisen, dass Plato im Gegensatz zu dem Religionsstifter, seine Auffassung vom Wesen des Menschen und eines Staates aus komplexen, aber nüchternen und dogmafreien Überlegungen herleitete.

Plato war ein Denker, Jesus ein Revolutionär, der die Schriften des Philosophen gelesen hat und versuchte, deren Inhalte in seinem judäisch-römischen Umfeld in die Tat umzusetzen. Was genau geschah, wissen wir nicht. Denn die Revolution geriet spätestens zur Zeit des Nikäischen Konzils (325) zum Schmierentheater, mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit. Religiöse Ereiferung und peinlicher Zank über die richtige, wahre Auslegung des Glaubens sowie Korruption der zugrunde liegenden Ideen durch die Errichtung eines rechthaberischen Glaubensmonopols verbrämen und verhindern noch heute Einblicke in die historischen Fakten. Wie gesagt: Wir sollen glauben und folgen, nicht wissen.
Also: Nicht Klarheit und Vernunft bestimmen unser Denken und Handeln. Nicht ein Gott lenkt unser Schicksal. Solange es Gebetshäuser in den Städten und Dörfern gibt, solange sind es die Glaubenmacher. Es sind noch immer seit früher Kindheit anerzogene und nicht beweisbare ‚Wahrheiten‘, Mythen, Märchen und religiöse Dogmen, die das überhebende Gefühl göttlicher Kraft und Wirkens in uns wecken und nähren und uns weismachen wollen, dass dieser Planet, diese Welt und dieses Universum die Schöpfung eines Gottes ist. Welch eine Einfalt! Gehirnwäsche nennt man so etwas. Und es sind nicht nur die Fanatiker und Terroristen dort unten im finsteren Orient, die tagein, tagaus die Gehirne ihre Jugend waschen. Diese gibt es auch bei uns – auf jeder Kanzel.
Ich hoffe, dass ich dir mit diesen Sätzen nicht zu viel zugemutet habe. Es erhellt ein Stück weit, warum ich auf das Thema Monotheismus sehr kritisch reagiere. Religion ist das, was vermittelt wird. Und das Vermittelte steht hier im Widerspruch zur Religiosität.
Religiosität ist eine Eigenart des denkenden Wesens. Zu dieser kann und muss aber sehr viel mehr gerechnet werden als Gottglaube, beispielsweise auch Kunst und Philosophie. Die Reduktion der Religiosität auf monotheistische Vorstellungen schien vor 3000 Jahren aus vielerlei Gründen sinnvoll – die Menschen begannen sich nach Jahrzehntausenden des Spekulierens einer obersten Idee zu bedienen, und damit einer rudimentären Methode, die die Welt in ihrer Gesamtheit zu erklären versucht, was nach der Erfindung des Rades ohne Zweifel eine der weittragendsten Neuerungen darstellt – doch schon das Nikäische Konzil ist ein Beispiel dafür, dass der Eingottglaube in Dogmatismus mündete, somit wieder Spekulation und Behauptung zurückkamen, kurzsinnige Erklärungsversuche, die in der griechischen Klassik bereits längst überwunden waren. Die Gottbehauptung, also die Annahme von der Existenz eines Schöpfers und obersten ‚Wesens‘, stellt die Welt und ihre Tatsachen auf den Kopf. Nicht Gott erschuf den Menschen. Der Mensch dachte sich Gott – DEUS EX HOMO – und dieser Gott ist kein Wesen, sondern eine Idee. Nur Monotheisten verwechseln das. Auch heute noch mit verheerenden Folgen.“

Einen herzlichen Dank und viele Grüße an Laertius.D für seine Ausführungen. Auch wenn das Thema nicht alle angesprochen hat, aus meiner Sicht ein wirklich lesenswerter Beitrag zu Lycos IQ.

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