Eine Kritik des Monotheismus von Laertius.D (Teil 1)

Nachdem wir Laertius interviewt hatten, interessierten mich die Hintergründe für seinen religionskritischen Standpunkt. Netterweise hat sich Laertius bereit erklärt, auf die direkte Frage zu Antworten. Da Laertius sehr interessante Gedanken entwickelt, hier seine Ausführungen im IQ Blog:

„Dein Interesse an meinem Standpunkt zum Thema Religion ehrt mich also, und deshalb bin ich gerne bereit, dir in aller ausufernden Kürze, doch erhellend genug, Rede und Antwort zu stehen. Auch für mich ist das Thema von großem Interesse. Meine heutigen Ansichten sind das Ergebnis des Zweifelns an vorgehaltenen, nicht beweisbaren ‚Wahrheiten‘.
Zunächst: Du sprichst von Religionskritik. Das ist sehr bezeichnend. Eigentlich richtet sich meine Insistenz immer nur auf den Monotheismus, d. h. auf jene Religionen, die einen einzigen, allmächtigen Gott für wahr halten, also Judentum, Christentum und Islam. Die Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaften kennen sich – meistens – immer nur im eigenen, von Kindesbeinen an erlernten Glauben aus, für sie ist ihr Glaube ‚die‘ Religion. Anderes kennen sie nicht und lassen es – leider sehr häufig – auch nicht zu. Dass du den Begriff Religionskritik verwendest, könnte darauf hinweisen, dass auch für dich dein Glaube etwas Selbstverständliches ist, etwas, das längst sehr tief in deinem Denken und Handeln eingewachsen ist. Du bist sicherlich in der Lage, damit umzugehen. Denn deine weltlich-schulische Bildung, die durch deine Forumsbeiträge deutlich wird, versetzt dich in die Lage, das Wirken deines Glaubens zu relativieren. Du verstehst, dass Religion nicht nur den oben genannten Glaubensgemeinschaften vorbehalten ist, du weißt, Religiosität ist eine Eigenart des Homo Sapiens. Und du kannst wählen. Viele, sehr viele Gläubige können dies jedoch nicht. Und wollen es auch gar nicht. Denn eines der hervorstechendsten Merkmale aller Eingottreligionen ist das – noch immer unbewiesene – Dogma vom ‚Besitzt‘ des allein rechten Glaubens und der einzigen Wahrheit.
Hätte es nie Wissenschaft und Aufklärung gegeben, säßen wir heute noch im Mittelalter – zumindest was unsere geistige Verfassung und Erfahrung betrifft. Wir würden womöglich noch immer Kreuzzüge anleiern und versuchen Jerusalem samt dem Hinterland inklusive Irak, Iran und Afghanistan zu ‚befreien‘. Wir Christen würden noch immer das Kreuz Jesus in die finsteren Dschungel der heidnischen neuen Welten bringen wollen, samt unseren Zivilisationsseuchen und der unsäglichen Gier nach Gold und Geld, oder vielleicht würden die Armeen Allahs diesmal nicht nur Wien, sondern ganz Europa schaffen. Nicht wahr? Es ist eine große geistige Errungenschaft, dass heute eigentlich niemand mehr aus religiöser Eiferei sein Leben lassen muss.
Es ist mehr als 3000 Jahre her, seit sich die Idee von einem allmächtigen Eingott zu verbreiten begann. Der ägyptische Pharao Echnaton, der Vater des berühmt gewordenen Tut-Ench-Amuns, war meines Wissens der erste Herrscher, der einen Eingottglauben als Staatsreligion verordnete. Er und sein Aton scheiterten. Denn Religiosität lässt sich nicht verordnen. Dazu bedarf es der Überzeugung. Und das soll ein gewisser Moses als erster erkannt haben, der allen Monotheisten als religionsstiftender Prophet gilt. Niemand weiß, was damals tatsächlich geschah, doch heute lernen und glauben wir, dass nicht Moses, sondern Gott selbst – höchstpersönlich – zehn Gebote in zwei steinerne Tafeln ritzte. Ein Mythos. Moses wusste durch Mythenbildung sein Volk zu überzeugen. Juden, Christen und Muslime glauben deshalb noch heute an einen steinalten Werbegag, der im Laufe der Zeit unzählige Interpretationen und blutige Streitereien nach sich zog.
(Fortsetzung folgt)

 

 

10 thoughts on “Eine Kritik des Monotheismus von Laertius.D (Teil 1)

  1. Vielen Dank an Laertius.D und TServatius für das „special“.

    Ich halte die Ausführungen im Prinzip für ein polarisierendes Plädoyer FÜR den eigenverantwortlichen Glauben. (-> Martin Luther)

    Oder liegt das nur an meiner Lesart?

  2. Ein interessanter Beitrag zweifellos. Ich nehme an die anderen Teile folgen auch noch.
    Aber hätte nicht ein Link auf die entsprechenden Fragen (und Antworten) bei Lycos IQ ausgereicht?

    http://iq.lycos.de/qa/show/11337/
    http://iq.lycos.de/qa/show/11648/
    http://iq.lycos.de/qa/show/11725/
    http://iq.lycos.de/qa/show/11754/

    Ich finde, der Blog (das Blog?) sollte dazu dienen, Informationen über Lycos IQ , neue Updates und neue Team-Mitglieder sowie Experten vorzustellen.

    @TServatius: Warum legst du dir nicht einen privaten Blog zu? Da kannst du dann alles posten, was du für wichtig hälst. Du veröffentlichst den Beitrag von Laertius.D unter der Rubrik „Gut gefragt“. Das hört sich für mich nach Eigenlob an. Vielleicht solltest du das noch einmal überdenken. Nichts für ungut ;-)

  3. Es stimmt. Alle Philosiphien die den Anspruch haben im Besitz der „allein seelig machenden Wahrheit“ zu sein Enden im Totalitarismus. „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“
    Auch der Kommunismus war eine Art Religion.

  4. der Kommunismus ist und war nie eine „ART“ Religion, das einzige was der realisation entgegensteht ist die im menschlichen Wesen verankerte Gier nach persönlichem Besitz und der Egoismus nach dem Motto „jedem das seine und mir das Meiste“. Ganz prakmatisch betrachtet wäre die Realisierung des Kommunismus die Rückkehr ins „Paradies“ ;-) nach der biblischen Definition. Aber das scheiter zwangläufig auch an der Phantasie der „heutigen Menschheit“.

  5. religionen sind privatsache.

    der gott der heutigen zeit ist das G E L D.

    nicht die parteien regieren und sondern der B E S C H I S S.

  6. Ich bin auch der Meinung, dass Religion oder Weltanschauung Privatsache ist und toleriere jeden anderen Glauben, solange er niemand Schaden zufügt. Laertius D. hat uns seine Kritik am Monotheismus bereits bei Lycos OQ dargelegt,das war interessant aber es hätte mir auch gereicht.

  7. Wenn die Menschen sich an die Gebote gehalten hätten die ihnen ihr Glauben mit auf den Weg gibt, dann hätten wir heute sicher eine bessere Welt und den Generationen vor uns viel Leid erspart.

  8. @Yoyo4: ich verfüge bereits über einen privaten Blog. Dein Standpunkt ist nachvollziehbar, ich nehme mir hier jedoch einfach die redaktionelle Freiheit. Ich verpreche Dir, dass die Produktnachrichten deshalb nicht zu kurz kommen.

Kommentare sind geschlossen.